Die Stadtschamanen - Teil 5 von 9
von Dr. Friedrich Demolsky

Stadtschamanen und psychische Gewalt

Psychische Gewalt bildet ein weiteres Betaetigungsfeld fuer den Stadtschamanen. Meistens sind psychische Attacken selbstinduziert. Wenn jemand fest daran glaubt, dass die ‘Schwarze Loge’ am unteren Ende der Teufelsstrasse, gleich hinter dem Hoellenplatz schwarzmagische Angriffen gegen ihn reitet (allein der Leibhaftige weiss warum?), dann kann ein solches Denken selbst dann zu einer selbsterfuellenden Prophezeiung werden, wenn sich spaeter heraus stellen sollte, dass ein solche Loge gar nicht existiert.

Demgegenueber ist erwiesen, dass die meisten psychischen Angriffe, insbesondere Vergewaltigung und Kinderschaendung, von Personen begangen werden, die dem Opfer bekannt sind. In vielen Faellen ist der Taeter der neue oder der alte Liebhaber, der liebe Onkel, der Hausfreund, der nette Nachbar, der Lehrer, Priester oder der Leiter des Sportvereins oder der Jugendgruppe.

Fuer den Stadtschamanen genuegt es nicht, die Anzeichen von psychischer Gewalt zu erkennen, sondern er sollte auch ueber die Methoden der psychischen Attentaeter Bescheid wissen und darueber wie man mit solchen Personen umgeht.

Psychische Gewalt kann fuer das Opfer lebensbedrohend sein. Manche Menschen werden durch eine psychische Attacke in den Selbstmord getrieben. Nicht wenige sind danach so verwirrt, dass sie ins naechste Auto laufen bzw in der Klappsmuehle landen.  

Es gibt bestimmte Formen psychischer Attacken, die in den zivilisierten Laendern immer haeufiger vorkommen. Dazu zaehlen die Gruppengebete fundamentalistischer Glaubensgemeinschaften, Sekten, Bruderschaften und Geheimorden, die sich gegen ein bestimmtes Mitlied oder gegen einen Aussenstehenden richten.

Eine Abart jener psychischen Attacken erblicke ich in den zahlreichen Faellen, wo Mitglieder einer okkulten Gruppe oder fundamentalistischen religioesen Gemeinschaft den Novizen exorzieren oder ihm schlichtweg einreden, dass er vom Teufel oder von Daemonen besessen (Incubus) oder umsessen (Succubus) waere. All diese Praktiken stellen aeusserst schaedliche Akte psychischer Gewalt dar. Ein Mensch, der sich solchen Gruppen anschliesst, ist vergleichbar mit jemandem, der eine Voodoo-Puppe, die ihn selbst repraesentiert, mit Nadeln bespickt.

Wenn ein Inidividuum mit einem bestimmten Glaubenssystem oder mit einem neuen Selbstbild zwangsweise von Personen konditioniert wird, die sich 110 % sicher sind, dass sie im Besitz der einzigen und alleingueltigen Wahrheit waeren, dann kann dies unabschaetzbare traumatische Folgen fuer den Betroffenen haben. Das mag vielleicht ein bisschen weit hergeholt klingen, aber genau das spielt sich da draussen taeglich ab.

Schwarze Magie wird an vielen Orten praktiziert – auf dem Land und in den Vororten der Staedte ebenso wie in den Kellergewoelben und Luxuswohnungen unserer Metropolen. Das Betaetigungsfeld des Stadtschamanen ist im Zusammenhang mit psychischer Gewalt schier endlos. Und genau so verhaelt es sich mit den Massnahmen, die er als Schamane ergreifen kann, um den von psychischen Attacken Betroffenen zu helfen.

Da es dabei ganz entscheidend auf den Einzelfall ankommt, liegt die Wahl des/der tauglichen Mittel(s) bzw der zielfuehrenden Massnahme(n) im Ermessen des Stadtschamanen. Je mehr Sensibilitaet Letzterer im Umgang mit geistigen und seelischen Kraeften erworben hat, desto sicherer wird er die richtige Wahl treffen und den Opfern psychischer Gewaltanwendung mit schamanischen Methoden ganz entscheidend beistehen koennen.
 

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