Schamanismus - Die Pflanze waechst
von Dr. Friedrich Demolsky

Das Phaenomen und seine Instrumentalisierung

Es wurde gezeigt, dass die ersten erkennbaren Wurzeln des Schamanismus in den animistisch orientierten Gemeinschaften des Paleolithikums anzusiedeln sind. Nach der Sesshaftwerdung des Menschen breitetete sich der Schamanismus immer weiter aus und wurde schliesslich zur Urreligion der Menschheit.

Im Neolithikum wurde von unseren Vorahnen Ackerbau und Viehzucht betrieben. Die Menschen lebten in Stammes- und Sippengemeinschaften zusammen. Sie teilten sich die Arbeit und unterhielten sich durch Subsistenzwirtschaft. Ihre geistige Orientierung war der Animismus. Dieser fruehe Glaube an die Beseeltheit der gesamten Natur, an einen Geist oder eine Seele hinter den sichtbaren Erscheinungen und Kraeften, war der Humus fuer das praechtige Gedeihen des Schamanismus.

In diesen fruehen Gemeinschaften gab es immer wieder einzelne Individuen, die klueger und befaehigter waren als die Mitglieder ihres Stammes. Diese Menschen wurden zu Fuehrern oder zu Ratgebern ihrer Stammesgenossen, dh sie wurden zu dem, was wir heute unter dem Begriff ‘Schamane’ verstehen.

Jene ersten Repraesentanten des Schamanismus kannten sich in den Mythen und Sinnbildern ihrer Gemeinschaften aus und in der Natur mit den Tieren und Pflanzen, Wurzeln und Kraeutern, die sie zum Wohle ihrer Stammesgenossen anwendeten. Sie interpretierten die Zeichen der Natur und warnten vor den Auswirkungen ihrer ungezaehmten Kraefte auf Wald und Feld (Missernten, Blitzeinschlaege, Erdbeben usw.).

Als besondere Mitglieder ihrer Gemeinschaft, wurde es ihr Vorrecht, mit dem Geist hinter der Erscheinung in Kontakt zu treten, um dessen Wuensche zu erkunden. Und gleichzeitig ueberhahmen sie die Aufgabe, dieses Geistwesen im Interesse ihrer Gemeinschaft guetig zu stimmen bzw zu besaenftigen. Dabei bildeten sie im Lauf der Zeiten besondere Faehigkeiten aus, die es ihnen erlaubten, Dinge zu ‘sehen’ und zu ‘hoeren’, die dem einfachen Mitglied ihrer Sippe verborgen blieben. Schliesslich lernten sie, willentlich in die 'andere' Welt zu 'reisen' oder die Innenseite unserer gemeinsamen Welt zu erleben.

Damit war die Instrumentalisierung des Schamanismus weitestgehend abgeschlossen.
 

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Dieser Artikel ist auch im Shaman Magazine der Internationalen Akademie fuer Schamanismus veroeffentlicht.

 

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