Schamanismus und Monotheismus
von Dr. Friedrich Demolsky

Das Phaenomen und seine Repression in der Neuzeit

Die Faehigkeit, etablierte Dogmen mit neuen Bildschoepfungen aus der Tiefe des Geistes in Frage zu stellen, brachte die Schamanen schon sehr frueh mit den Priestern der Kirche in Konflikt. Nach christlicher Vorstellung gerhoerte der Schamane dem 'Teufel' an oder zumindest den 'wilden' Goettern.

Mit dem Emporkommen des Christentums, hat ein ueber Jahrhunderte waehrender Kampf der Priester gegen die Schamanen begonnen, der bis zum heutigen Tage andauert. Die Kirchenvaeter verwiesen die alten heidnischen Schamanengoetter in das Reich der Daemonen. Den ersten Hexen der christilichen Aera wurde nach den Protokollen des Konzils von Trier vorgeworfen, dass sie sich in Kroeten verwandelt haetten. Heinrich Kramer veroeffentlichte 1484 das beruechtigte Malleus Maleficarum, den Hexenhammer; ein bizarres Werk, das genaue Anleitungen enhaelt wie Hexen und Zauberer, unsere Schamanen der Neuzeit, zu identifizieren, unter Folter zu verhoeren und hinzurichten sind. Papst Innozenz VIII erliess am 3.12.1485 die Hexenbulle Summis Desiderantes, die vom Dominikaner Heinrich Istitoris (Kramer) verfasst und von den Inquisitoren erbarmungslos vollzogen wurde. Bei der europaeischen Hexenverfolgung (1450-1750) handelte es sich in erster Linie um ein Hysterie-Phaenomen bezüglich Schamanismus, Zauberei und Hexerei. Der Kampf der Kirche gegen die Schamanen erreichte mit den Hexenverbrennungen zwischen 1550-1650 seinen Hoehepunkt.

Insgesamt soll etwa drei Millionen Menschen der Prozess gemacht worden sein, etwa jeder Fünfzigste wurde hingerichtet. Obgleich Frauen die Mehrheit der Verfolgten bildeten, gab es Abweichungen in Regionen, wo das Bild des Zauberers traditionell männlich besetzt war. In Island waren beispielsweise 80 % der verfolgten Hexen und Schamanen Männer. Die letzte überlieferte Hinrichtung einer Hexe in Mitteleuropa fand 1793 im Grossherzogtum Posen statt. Aus Wien ist nur eine Hexen-Hinrichtung bekannt. Else Plainacher aus der Stadt Mank in Niederoesterreich, verbrannte 1583 auf dem Scheiterhaufen, weil ihr Kind epileptische Anfaelle hatte und diese als Teufelsbesessenheit interpretiert wurden. Ebenfalls in Oesterreich, in Gmuend, Kaernten, wurde 1653 der Schamane und Wettermacher von Matzelsdorf wegen Wettermacherei hingerichtet.

Nachdem die Kirche ihre Macht an die Aufklaerer des 18. Jahrhunderts eingebuesst hatte, ging es den Schamanen in Europa und anderwo auf diesem Erdball nicht wirklich besser. Die weitere Entwicklung wollen wir im naechsten Artikel naeher beleuchten.
 

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