Bali - Die Insel der Goetter und Schamanen - Teil 2 von 3
von Dr. Friedrich Demolsky

Die Goetterinsel und das Purifikationsritual des gesamten Universums

Bergzuege durchqueren diese Schamaneninsel vom Osten bis hin zum Westen. Die hoechste Erhebung bildet der von den Balinesen als heilig verehrte Gunung Agung (3142m), ein Vulkan, der im Maerz 1963 das letzte Mal ausbrach.

Als Grund fuer diese Naturkatastrophe, die Tausende Menschenleben forderte, wird von den Einheimischen ein unterlaufener Fehler bei der numerologischen Ermittlung der massgeblichen Feiertage fuer das vorletzte Eka Dasa Rudra angenommen.

Darunter versteht man ein 42 Tage andauerndes, blutiges Purifikationsritual des gesamten Universums, das auf Bali grundsaetzlich nur ein einziges Mal in jedem Jahrhundert durchgefuehrt wird. Freilich musste dieses Megaritual nach dem verheerenden Ausbruch des Gunung Agung, zum spaeter richtig berechneten Zeitpunkt, wiederholt werden.

Im Sueden laeuft die Insel in Schwemmland aus, und wird von seichten Fluessen bewaessert, die waehrend der Trockenzeit kein Wasser fuehren aber waehrend der Regenzeit regelmaessig aus ihren Ufern treten. Der Vulkan Gunung Agung ist der hoechste Berg der Insel und zugleich Sitz der Goetter...

Aber nicht nur kulturell, sondern auch oekonomisch ist Bali eine der bedeutendsten Inseln Indonesiens. Der Sueden ist weitgehend fuer den internationalen Tourismus erschlossen. Hier befinden sich die grossen Hotels und Luxusapartements, fuer die der vermoegende Urlauber bis zu US$ 2000 pro Nacht bezahlen muss.

Im Nordosten der Insel findet man einige ganz aussergewoehnliche Plaetze zur Ausuebung des Unterwassersports. Im kristallklaren Wasser des Meeres kann man sich hier dem Abenteuer des Wracktauchens hingeben oder seine Seele an der einmaligen Vielfalt und Farbenpracht der Flora und Fauna in tropischen Gewaessern laben.

Reis wird auf Bali seit langer Zeit kultiviert und auf terrassenartig angelegten Bergruecken angepflanzt; ebenso Zuckerrohr, Kaffee, Tabak, Gemuese und Fruechte. Rinder und Schweine werden ebenfalls gezuechtet.

Die Balinesen sind ueberaus geschickte Kunsthandwerker, insbesondere in der Holzschnitzerei sowie in der Herstellung von Schmuckgegen-staenden aus Gold und Silber. Viele Balinesen betaetigen sich auch als Maler, Bildhauer und als Wayan Kulit-Puppenspieler, eine Art Schattentheater, das sich insbesondere bei religioesen Anlaessen grosser Beliebtheit bei den Inselbewohnern erfreut.

Balinesinnen sind fuer ihre aeusserst grazioesen und anmutigen Taenze mit traditioneller oder religioes-magischer Thematik weithin bekannt. Aber auch ihre Geschicklichkeit im Weben von Stoffen mit Gold- und Silberfaeden sowie bei der Verarbeitung von Seide und in der Produktion von Baumwollkleidung wird weit ueber die Insel hinaus geruehmt.

Die Hauptreligion auf Bali ist eine einmalige Spielart des Hinduismus, der hier bestimmte religioese Riten Polynesiens sowie Teile des urspruenglich vorhandenen Animismus in sich aufgenommen hat.

Die Ausuebung der Religion auf Bali geschieht oeffentlich und gestaltet ganz wesentlich den Alltag der Inselbwohner - ihre phantastische Welt Sekala, wie die Balinesen diesen Seinsbereich bezeichnen.
 

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Dieser Artikel des Autors wurde auch bei Awareness & Shamanism Wordwide und im
Shaman Magazine der Internationalen Akademie fuer Schamanismus veroeffentlicht.

 

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